Vor 70 Jahren: Die Potsdamer Konferenz

01.08.2015

Vom 17. 7. – 2. 8. 1945 fand die Potsdamer Konferenz mit den Siegern, den „Großen Drei“, Truman, Churchill (später Attlee nach Churchills Wahlniederlage) im Schloss Cecilienhof statt. Vorangegangen waren die Konferenzen in Casablanca und Teheran 1943 sowie Jalta 1945, wo von einer bedingungslosen Kapitulation Deutschlands und den daraus folgenden Konsequenzen der Siegermächte USA, Sowjetunion, Großbritannien u. später auch Frankreich nach dem Ende des II. Weltkriegs ausgegangen wurde.

Das Resultat des „Potsdamer Abkommens“ war im völkerrechtlichen Sinne kein Abkommen, sondern es waren lediglich  Vereinbarungen und Absichtserklärungen, die in einem Protokoll festgehalten wurden:

1. Ein Außenministerrat soll zur späteren Vorbereitung von Friedensverträgen mit den Feindmächten sowie später eines Friedensvertrags mit Deutschland geschaffen werden.

2. Die Regierungsgewalt in Deutschland, ausgeübt durch die Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen und Schaffung eines Alliierten Kontrollrats für Deutschland als Ganzes.

3. Ausübung der Besatzungsmacht zur Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Demokratisierung.  (Dies führte zu einer Oktroyierung der Werte der Siegermächte in ihren vier Besatzungszonen).

4. Gebietsverluste - Hierüber gab es bei den Alliierten seit 1943 unterschiedliche Vorstellungen, besonders berüchtigt war der  „Morgenthau-Plan“, der eine Zerstückelung und Versklavung Deutschlands vorsah. Auf der Potsdamer Konferenz forderte Stalin für Polen eine Grenze an Oder u. Görlitzer Neiße mit der Lüge, diese Gebiete wären von Deutschen sowieso schon verlassen worden, während Churchill, unterstützt von Truman protestierte “Die Regierung Seiner Majestät kann niemals zugeben, daß die im Krieg besetzten ostdeutschen Gebiete polnisch geworden sind.“ Daraufhin  ging man von einem Deutschland in den Grenzen von 1937 aus und vertagte die strittige Grenzziehung bis zu einem endgültigen Friedensvertrag. Gleichzeitig billigten aber auch die westlichen Alliierten die Ausweisung der Deutschen aus den Ostgebieten, der Tschechoslowakei und den Balkanstaaten. Dies führte zur Vertreibung von ca. 15 Mio. Deutschen und zum Tode von 2 Mio. auf der Flucht und in Straflagern umgekommenen deutschen Zivilpersonen, vornehmlich Mütter, Kinder und Greise.

5. Reparationen - Neben den Gebietsabtretungen wurden von Deutschland Reparationen allein von der Sowjetunion in einer Höhe von mindestens 10 Mrd. Dollar verlangt, dazu Demontagen von Industrie- und Kulturgütern (Beutekunst) u. a. Im Gegensatz zum Versailler Diktat von 1919, wo neben zahlreichen Gebietsabtretungen 226 Mrd. Goldmark vom Deutschen Reich verlangt wurden, hatten die Westalliierten hieraus gelernt, da eine erneute totale Verschuldung Deutschlands von ihnen mitgetragen werden müsste, wenn Deutschland sich nicht mehr ernähren könnte. So kam es in Potsdam zu einem Junktim: Zugeständnisse bei der deutsch-polnischen Demarkationslinie gegen Zugeständnisse der Sowjets in der Reparationsfrage.

6. Bestrafung von Kriegsverbrechern - Hier wurde reine Siegerjustiz geübt, so dass viele Unschuldige und besonders Angehörige der Wehrmacht zum Tode oder langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Die Kriegsverbrechen der Alliierten wie die Vergewaltigungen von über 2 Mio. Frauen beim Einmarsch, die Brandschatzungen, die Plünderungen der Städte und die Kriegsverbrechen in den Straflagern, besonders durch die Rote Armee wurden häufig verharmlost und bis heute nicht gesühnt!

Wenn es um die deutsche Alleinschuld am II. Weltkrieg geht, werden stets die Hintergründe verkannt: Die Demütigungen durch das Versailler Diktat und die daraus negativen Auswirkungen für Deutschland durch die Reparationen, die Aggressionspolitik Polens zwischen 1919 und 1939 sowie der Hitler-Stalin-Pakt von 1939, ohne den ein Angriff Deutschlands auf Polen und seine Teilung mit der Sowjetunion überhaupt nicht möglich war. Hinzu kommt die antideutsche Politik der britischen Kriegspartei um Churchill. Der Krieg hatte also mehrere Väter!

Das expansive Verhalten der Sowjetunion nach 1945 war nur möglich, weil Stalin laufend politische Zugeständnisse primär durch Roosevelt gemacht wurden. So war es nicht verwunderlich, dass schon am Ende des II. Weltkrieges ein „Eiserner Vorhang“ mitten durch Deutschland entstand, der erst 1989 fiel und West- u. Mitteldeutschland 1990 wiedervereinigt wurden, aber um welchen Preis! Nicht in einem Friedensvertrag, wie auf der Potsdamer Konferenz vorgesehen, sondern in den „Zwei+vier-Verträgen“  wurden die von Polen und der Sowjetunion 1945 jenseits von Oder und Neiße annektierten deutschen Ostgebiete ohne Abstriche, nicht einmal Stettin wurde zurückgegeben, obwohl es westlich der Oder liegt, als endgültige deutsche Ostgrenze festgeschrieben. Das Potsdamer Abkommen hatte sich als reines Siegerdiktat wie 1919 in Versailles erwiesen.

Manfred Lietzow