Südtirol - leidgeprüfte Deutsche Volksgruppe

05.10.2016
Vor 70 Jahren unterzeichneten am 5.9.1946 die Außenminister Österreichs und Italiens in Paris das "Gruber-De-Gasperi-Abkommen". Ein vorerst letzter Traum von der 
Wiedervereinigung Süd- und Nordtirols war zerronnen, gescheitert am Widerstand Großbritanniens, das Italien als wichtigen Bündnispartner brauchte. Ein eklatanter Bruch des Selbstbestimmungsrecht
des Völkerrechts, das nach dem I. Weltkrieg vom damaligen US-Präsidenten Wilson allen Völkern außer den Verlierern des I. Weltkrieges, den Mittelmächten Deutschland, 
Österreich-Ungarn und seinen Verbündeten zugestanden wurde. Im Friedensdiktat von St. Germain wurde 1919 Südtirol Italien als Verbündeten der Entente zugesprochen und 
die neue Grenze Italiens willkürlich an den Brenner verschoben. Italiens maßlose Forderungen nach Einverleibung des fruchtbaren und wirtschaftlich starken Südtirols 
bestanden schon vor dem I. Weltkrieg, als es noch Angehöriger des Dreibunds mit Deutschland und Österreich-Ungarn war. Erst nach seinem Abfall 1915 von diesem Bündnis 
und Wechsel auf die Seite der alliierten Gegner in der Entente konnte es durch deren Zusage, nach einem Sieg über die Mittelmächte, das österreichische von Italienern
mehrheitlich bewohnte Trentino (ehemals Welschtirol) und das fast ausschließlich deutschstämmige Südtirol annektieren. Bereits am 20.10.1920 wurde Südtirol formell 
Italien angegliedert und von Nordtirol getrennt. 
Das Leiden unter dem Faschismus nahm nun bis 1943 seinen Anfang. Als am 24.4.1921, dem berüchtigten "Bozner Blutsonntag" ein friedlicher Trachtenzug der Südtiroler 
durch Meran zog, wurde er von italienischen Faschisten beschossen. Das Resultat waren 50 Schwerverletzte und Tote. Eine Aufklärung wurde von Mussolini verhindert. Nach
der Ausweisung der österreichischen Beamten wurden junge Lehrkräfte aus Italien ohne Deutschkenntnisse in die Schulen nach Südtirol versetzt und trafen dort auf nur
deutschsprachige Schüler. Die repressive Politik der Italianisierung verschärfte sich unter der Diktatur Mussolinis des seit 1027 unter Konrad II. zum Heiligen 
Römischen Reich gehörenden Tirols und seit 1363 von Margarethe Maultasch als Nachfolgerin der Grafen von Görz-Tirol an das Haus Habsburg unter Rudolf IV. vererbte 
Kernland Österreichs. 
Ein geschichtsverfälschender Aggressionsakt war die Errichtung eines bis heute noch umstrittenen "Siegesdenkmals" in Bozen, obwohl Italien nach einem blutigen 
Stellungskrieg in den Dolomiten an der Marmolata-Gebirgskette und zwölf verlorenen Isonzo-Schlachten gegen die Mittelmächte, keinen Grund hatte, sich als Sieger zu 
feiern. 
Mit dem Machtantritt Mussolinis 1922 begann die gewaltsame Assimilierung Südtirols, die sich in den 30er Jahren noch verstärkte. 1926 wurde Bozen von Mussolini zur 
Hauptstadt der neuen Provinz Bozen erklärt. Um den italienischen Einfluss zu verstärken, legte er gezielt einen Industriering um Bozen an und baute massenweise 
Unterkünfte für neuangesiedelte Arbeiter aus Süditalien in diese alte Kulturlandschaft. Gleichzeitig wurde Italienisch alleinige Amtssprache Südtirols. Deutsch durfte
noch nicht einmal in der Familie gesprochen werden! Selbst die deutschen Familiennamen wurden weitgehend italienisiert. Um die Deutsche Sprache den 30.000 Schülern 
trotzdem zu vermitteln, wurden von den deutschen Südtirolern insgeheim seit 1925 "Katakombenschulen" eingerichtet. 
Durch den "Stahlpakt" zwischen Hitler und Mussolini sollte die "Südtirolfrage" für "alle Zeiten" gelöst werden. Die Grenze am Brenner wurde als "endgültig" deklariert 
und den deutschen u. ladinischen Südtirolern wurde empfohlen, ins Deutsche Reich umzusiedeln oder in Italien ohne Minderheitenschutz zu bleiben. 85 % der Südtiroler
votierten für die Umsiedlung (Nur 75.000 wurden tatsächlich umgesiedelt, bedingt durch die Wirren des II. Weltkrieges.) 
Erst 1943 mit dem Sturz Mussolinis endete diese geplante und glücklicherweise gestoppte Umsiedlung. Nach dem folgenden Wechsel des einstigen italienischen Verbündeten 
auf die Seite der Alliierten und dem Einmarsch der deutschen Truppen in Norditalien, wurde die Wehrmacht überwiegend von den deutschen Südtirolern als "Befreier vom 
italienischen Joch" angesehen und freudig begrüßt. 
Nach Kriegsende hofften die Deutsch-Südtiroler auf eine Wiedervereinigung mit dem österreichischen Nordtirol. Die Südtiroler Volkspartei (SVP), hervorgegangen aus dem 
Andreas-Hofer-Bund, war das Sprachrohr der deutschen und ladinischen Bevölkerungsgruppe Südtirols und kämpfte für den Anschluss an Österreich. Die Interessen der Sieger
mächte lagen konträr und im "Gruber-De-Gasperi-Abkommen" wurde lediglich eine Autonomie innerhalb Italiens mit Österreich als Schutzmacht der deutschen u. ladinischen 
Volksgruppe dokumentiert. 1948 wurde von Italien die neue Region "Trention-Tiroler-Etschland" geschaffen, um ein Übergewicht der Italiener zu erreichen. Eine weitreichen
de Autonomie konnte erst 1972 nach zähen Verhandlungen erreicht werden. Auslöser waren zwischen 1956-61 verschiedene Bombenattentate von Südtiroler Freiheitskämpfern 
gegen Überleitungen und Brücken mit Toten und Verletzten. Durch verstärkte Intervention Österreichs wurde das "Südtirolproblem" auf die internationale Bühne gebracht 
und mit der UNO die Umsetzung der Autonomiestatuten durchgesetzt. 
Amtsprache und Beschilderungen sind heute zweisprachig auf deutsch und italienisch sowie im Dolomitengebiet, dreisprachig aufgrund der dort lebenden ladinischen Volks
gruppe. Deutsch ist auch wieder in den Institutionen, Schulen, Vereinen, Kultureinrichtungen präsent. Trotzdem tauchen auch heute noch durch zentralistische Bestrebungen 
Roms und nationalistischer italienischer Parteien, wie der Neofaschisten und Liga Nord gelegentlich ethnische Spannungen auf. Forderungen nach Anschluß an Nordtirol 
werden von der SVP z. Z. erstaunlicherweise nicht gestellt. Sie hat sich mit den italienischen Parteien arrangiert. Dagegen halten die anderen deutschsprachigen Parteien 
wie die Union für Südtirol, die Freiheitlichen und besonders die Süd-Tiroler-Freiheit, die gerade mit ihrer Plakataktion "Süd-Tirol ist nicht Italien" Aufmerksamkeit 
erzielte, ihre Forderungen nach Wiedervereinigung mit Nordtirol aufrecht. Auch von der ladinischen Volksgruppe werden die von den unter Mussolini abgetrennten drei 
ladinischen Orte, die willkürlich der Provinz Belluno zugeschlagen wurden, wieder zurück an Südtirol gefordert.
Hoffen wir, dass dieses in seiner jüngsten Geschichte so leidgeprüfte kleine Südtirol mit seinen 520.800 Einwohnern, wovon 62 % der deutschen, 23 % der italienischen 
und 4 % der ladinischen Volksgruppe angehören, eines Tages wieder mit Nordtirol und dem Mutterland Österreich vereinigt wird! Dann wäre auch dem Selbstbestimmungs
recht Südtirols endlich Rechnung getragen!
Manfred Lietzow