Polens erneute Reparationsforderungen

28.08.2017

Es grenzt schon an politischen Größenwahn, wenn wieder einmal von der polnisch- nationalistischen PIS-Partei unter Jaroslaw Kaczynsky astronomische Reparationsforderungen in Milliardenhöhe an Deutschland gestellt werden. Damit steht Polen nicht allein. Immer wieder versuchen Länder wie Griechenland und Italien von Zeit zu Zeit, wenn sie in politischen oder wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken, nachträglich noch einmal Reparationsnachschlag zu fordern. 845 – 1.800 Mrd. € sind bei der PIS-Partei im Gespräch. Der wissenschaftliche Dienst des polnischen Parlaments wurde beauftragt, ein Gutachten zu erstellen, welche rechtlichen Möglichkeiten es gebe, von Deutschland weitere Reparationen zu fordern.  Als hätte Polen nach 1945 sich nicht schon genug an deutschem Boden bereichert. 1/3 des Deutschen Reichs (DR) wurde seit dem I. Weltkrieg von Polen einverleibt. Durch das Versailler Diktat fielen 1919 Posen, der größte Teil Westpreußens und Ost-Oberschlesien an Polen. Danzig wurde mit 98 % deutscher Bevölkerung vom Völkerbund als „Freie Stadt Danzig“ errichtet. Der verhängnisvolle Korridor entstand, wodurch Ostpreußen vom DR willkürlich abgetrennt wurde. Über 2 Mio. Deutsche, die in den von Polen annektierten deutschen Gebieten zwischen 1919 – 1939 lebten, mussten ihre Heimat verlassen. Die verbliebene Deutsche Volkgruppe war laufenden polnischen Repressionen ausgesetzt. Obwohl 1921 bei der Volksabstimmung über Oberschlesien 60 % für das DR und 40 % für Polen votierten, musste Ost-Oberschlesien mit den wertvollsten Kohlengruben an Polen abgetreten werden. Ein eklatanter Bruch des Völkerrechts – vae  victis! Kein Wunder, dass in Versailles die Ursachen des II. Weltkriegs zu sehen sind. Der deutsche Angriff am 1. 9. 1939 auf Polen wäre jedoch ohne Abschluss des Hitler-Stalin-Pakts von 1939 und Polens damalige Politik nicht möglich gewesen. Polen, das sich in seiner Geschichte immer als Opfer gefühlt hat und dabei vergisst, dass es häufig auch Täter war, denken wir nur an seine Annexionspolitik nach 1919 nicht nur gegen Deutschland, sondern auch gegen seine Nachbarn Litauen, Ukraine, Weißrussland, Tschechoslowakei. Im  polnisch-sowjetischen Krieg v. 1919-21 wurden litauische, ukrainische und russische Gebiete von Polen annektiert (Ostpolen) und 1921 im Vertrag von Riga bis zur Curzon-Linie bestätigt. In Ostpolen stellten die Polen nur eine Minderheit dar und 1945 wurde dieses Gebiet zu Recht von Sowjetrussland zurückgefordert. Nur leider geschah dieses auf Kosten der deutschen Ostgebiete, die Polen dafür als Kompensation erhielt. Aber alles reichte Polen immer noch nicht. Seit 1945 behält es völkerrechtswidrig deutsches Kulturgut ein. 1944 wurden im Kloster Grüssau/Niederschlesien zum Schutze vor alliierten Bombern 95.500 Handschriften ausgelagert, darunter die Handschrift des Deutschlandliedes von Hoffmann v. Fallersleben (1841). Sie befinden sich heute in der Universitätsbibliothek Krakau.  Verweigert werden auch die Rückgabe des Danziger Jerusalem Altars und wertvolle historische Flugzeuge aus dem ehem. Deutschen Luftfahrtmuseum in Berlin u.a.  Statt deutsches Kulturgut zurückzugeben, stellt Polen neue Forderungen, die schon seit 1953 längst abgegolten waren. Spätestens jedoch 1990 bei den 4 + 2 Verträgen zur Deutschen Einheit hätten letztmalig polnische Reparationsansprüche verhandelt werden müssen. Polen ist über alle Maßen in Milliardenhöhe im Laufe der Nachkriegszeit von Deutschland entschädigt worden. Deshalb besteht heute nicht der geringste Anspruch auf erneute deutsche Reparationen! Vielmehr muss es als Retourkutsche auf diverse von Polen nicht erfüllte EU-Forderungen gesehen werden, wie die Untergrabung der polnischen Gewaltenteilung, die zunehmende Bevormundung der Medien oder die Weigerung, endlich mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Für Kaczynsky und die PIS-Partei sind Deutschland  und Russland nach wie vor die Sündenböcke, wobei Deutschland heute primär als ständig materiell zu melkende Kuh als größter Nettozahler der EU zu verstehen ist. Traurig für ein demokratisches Europa, das zu schwach ist, Polen das Stimmrecht zu entziehen oder ihm die EU-Mittel drastisch zu kürzen! Der polnische Chauvinismus der PIS-Partei verspielt zunehmend das Vertrauen in der EU!
Manfred Lietzow