Die Leiden der Frau von der Leyen

01.06.2017

Es ist nicht neu, dass seit Bestehen der Bundeswehr 1956 über die Traditionspflege und Reformen diskutiert wird. Die „Traditionspflegeerlässe“ 1963 und 1982 legten fest, dass die Bundeswehr nicht in der Tradition der Wehrmacht stehe. Lediglich die Reformer der preußischen Armee wie Scharnhorst, Gneisenau und Clausewitz etc. und die Widerständler des 20. Juli sind erlaubt. Und die anderen verdienten Helden des I. und II. Weltkriegs?
Unsere ehrgeizige Verteidigungsministerin nahm die jüngsten Vorfälle um einen rechtsextremen Oberleutnant in der Bundeswehr zum Anlass, eine Radikalkur in der Armee durchzuführen und stellte ihre Untergebenen unter Generalverdacht, was trotz ihrer Entschuldigung vor den höheren Bundeswehroffizieren bis heute zu großer Unruhe unter den ihr anvertrauten Soldaten gesorgt hat. Frau von der Leyen vergisst, dass die Bundeswehr genauso wie die NVA von bewährten Wehrmachtsoffizieren aufgebaut wurde. So ernannte Konrad Adenauer bereits 1950 den General der Panzertruppen Graf von Schwerin zum Technischen Berater in Fragen der Sicherheit. Bis 1960 beriet der wohl genialste W II - Generalfeldmarschall Erich von Manstein die Bundeswehr. Zum Beraterkreis gehörten auch der ehemalige Generaloberst Franz Halder sowie div. andere verdiente Weltkriegsoffiziere. Generalleutnant Adolf Heusinger wurde erster Generalinspekteur der neuen Bundeswehr und  General Hans Speidel wurde zuletzt Oberbefehlshaber der NATO Landstreitkräfte in Mitteleuropa. Diese Generäle hatten ein hohes preußisches Pflichtbewusstsein, das einer deutschen Militärtradition entsprach, die leider durch die Negationen des NS-Regimes 1945 einen tiefen Bruch erlebte, der bis heute anhält. Ich war selbst bei der Bundeswehr und stamme aus einer preußischen Beamten- und Offiziersfamilie mit christlichen Grundsätzen. Meine Brüder kämpften an allen Fronten und mein Bruder Reinhardt wurde noch 1945 kurz vor Kriegsende als Flugzeugführer vor Limburg abgeschossen.
Heutige Politiker, die meist einer anderen Generation angehören,  wie die derzeitige Verteidigungsministerin von der Leyen, haben leider kein Verständnis für gute preußische Militärtraditionen, um die uns heute noch viele Staaten beneiden und setzen aufgrund mangelnder Militärgeschichtskenntnisse Wehrmacht gleich Nazismus/Rechtsextremismus auf eine Linie. Ohne zu differenzieren, wird die Wehrmacht und ihre Traditionspflege verteufelt. Damit werden gleichzeitig Millionen von Wehrmachtsangehörigen auf eine Stufe mit Nationalsozialisten gesetzt. Eine schallende Ohrfeige für unsere Brüder, Väter und Großväter, die in der Wehrmacht nur ihre Pflicht erfüllten und in erster Linie für ihr Vaterland Deutschland kämpften! Es war die Wehrmacht, die 1944/45 Millionen Flüchtlinge vor der Roten Armee schützte und die Marine, die noch bis Kriegsende mit 400 Kriegs- und 600 zivilen Schiffen 2,5 Mio. Flüchtlinge über die Ostsee aus Ostpreußen rettete. Wo bleiben heute Dank und Anerkennung der Regierenden?
Ob Ernst Albrecht, der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident und Vater von Ursula von der Leyen wohl Verständnis für die Aussagen seiner Tochter zur Traditionspflege und Pauschalkritik an der Bundeswehr hätte? Frau von der Leyen täte gut daran, sich einmal etwas intensiver mit der preußischen und deutschen Militärgeschichte auseinanderzusetzen statt eine Bilderstürmerei in den Kasernen zu entfachen. Kasernen mit Namen tapferer Offiziere wie Hindenburg, Richthofen, Lettow-Vorbeck und Mölders verschwanden schon. In der BW Führungsakademie in Hamburg wurde gerade sogar das Bild von Helmut Schmidt in Luftwaffenuniform entfernt. War er etwa auch ein Nazi? Eine peinliche Lachnummer des typischen heutigen vorauseilenden Gehorsams unserer political correctness.
Durch Verbot von Traditionsecken und Stuben mit Wehrmachtsexponaten in den Kasernen, wo schon ein alter WM-Stahlhelm als naziverdächtig gilt, wo alte Soldatenlieder wie „Schwarzbraun ist die Haselnuss“, das Panzerlied oder „O, du schöner Westerwald“ entfernt werden sollen, wird nur Unsicherheit und Frust erreicht. Wer im Kampfeinsatz sein Leben opfern muss, braucht positive Identifikationssymbole auch aus der Vergangenheit! Es müsste doch wohl klar sein, dass eine konservative Einstellung eher bei jungen Menschen anzutreffen ist, die überhaupt ein Interesse haben, freiwillig zur Bundeswehr zu gehen. Das dürfte wohl in allen Armeen der Welt ähnlich sein. Vielleicht sind ja mit Rücksicht auf einen evtl. Grünen Bündnispartner mehr Wander- und Kirchenlieder opportun „O heilger Geist kehr bei uns ein“. Vielmehr entsteht durch Gesinnungsschnüffelei in unserem freiheitlich demokratischen Staat ein Geist zur Denunziation gegen alle vermeintlich rechtsradikalen und rassistischen Umtriebe. Dann  fragt man sich, wer bleibt noch übrig, wer kann dem Politprofil der Verteidigungsministerin entsprechen? Nur Jasager und Gutmenschen? Wer meldet sich dann überhaupt noch zur Bundeswehr, wenn er jederzeit beim Bierchen zur vorgerückten Stunde Angst haben muss, wegen einer unbedachten Äußerung am nächsten Tag vom MAD vernommen zu werden? Von den Kindern der Verteidigungsministerin hat sich bisher noch keiner/keine freiwillig zur Bundeswehr gemeldet. Wo bleibt hier die Vorbildfunktion? 
Eine Traditionspflege ist wichtig für jede Armee. Die Bundeswehr will ihre eigene Tradition pflegen. Nur reicht die aus? Es ist stets so, was gut ist, wird übernommen. Das sollte wohl auch für unsere Bundeswehr gelten, wenn es um Traditions-Auseinandersetzungen mit der Wehrmacht geht! Die deutsche Geschichte besteht nicht nur aus 12 Jahren und es werden die Ursachen hierfür vergessen: der vorlorene I. Weltkrieg, die Demütigungen von Versailles mit ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft des Deutschen Reichs, die daraus resultierende Arbeitslosigkeit und soziale Not, die nach dem Versagen der Weimarer Republik im Dritten Reich eine Hoffnung sahen. Vielleicht sollte Frau von der Leyen darüber einmal mehr nachdenken!
Manfred Lietzow